von Philine Heß
Veröffentlicht in: Hintergrund

Medienkompetenz und Datenschutz bei Kindern spielen eine große Rolle, um einen sicheren Umgang mit digitalen Medien im Alltag erlernen zu können. Besonders in der aktuellen Zeit führt für Kinder kein Weg an digitalen Medien vorbei. Vielmehr sind digitale Medien in Zeiten von Home-Schooling zu Chancen geworden und eröffnen neue Möglichkeiten. Doch oft bleibt zwischen Home-Office und Home-Schooling oder Kinderbetreuung kaum mehr Zeit, sich umfassend mit der Medienkompetenz und dem Datenschutz für Kinder auseinanderzusetzen. Im aktuellen Blogbeitrag möchten wir eine Inspirationsquelle für Eltern, Lehrer*innen oder Schulverantwortliche bieten und genauer darauf eingehen wie sie den Datenschutz für Kinder durch Medienkompetenz erhöhen können. Dieser Blogbeitrag wurde mithilfe pädagogischer Unterstützung einer Erzieherin (24) aus Leipzig verfasst und spricht daher sowohl pädagogische/psychologische Aspekte als auch Datenschutz und technische Gegebenheiten an.

Medienkompetenz und Datenschutz bei Kindern
(c) Chuck Underwood / Pixabay

Kinder und Medien – Die Chancen der Nutzung medialer Angebote

Kinder werden heutzutage in eine mediatisierte Welt hineingeboren. Es ist ziemlich schwer, die Aktivitäten der Kinder im Internet zu kontrollieren, wenn vorher keine Maßnahmen zur regulierten Mediennutzung oder zum Datenschutz getroffen worden. Eltern stehen in der Verantwortung ihren Kindern eine sichere Basis für den Umgang mit den digitalen Medien zu schaffen. Aber auch Lehrer*innen oder Schulverantwortliche stehen besonders in Pandemie-Zeiten vor wichtigen Entscheidungen für die digitale Sicherheit der Schüler*innen - die richtige Wahl der Technik (Software).

Fakt ist: Kinder sollten sicher mit digitalen Medien umgehen können, bevor sie selbständig im Internet unterwegs sind. Das bedarf wichtiger Grundlagen, die aus Medienkompetenz und Datenschutz bestehen und durch wichtige Entscheidungen von Eltern und Lehrer*innen gelegt werden. Hierzu gehört beispielsweise, die Aufklärung über Chancen und Risiken der digitalen Medien, klare und altersentsprechende Regelungen für die Nutzung sowie die Gerätesicherheit der digitalen Medien, die Kinder nutzen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, was Medienkompetenz überhaupt bedeutet und was Datenschutz damit zu tun hat.

Medienkompetenz heißt: die Fähigkeit aufbauen, Medien den eigenen Zwecken entsprechend einzusetzen. Dazu gehört, dass Kinder die Chancen verschiedener Medien kennen und wissen, wie sie verwendet werden sowie sich gleichzeitig auch den Gefahren dieser Medien bewusst sind. Was hat das mit Datenschutz zu tun? Ziemlich viel. Denn genauso wie Kinder von ihren Eltern lernen nicht mit fremden Menschen mit zugehen, gehört es zur Medienkompetenz dazu persönliche Daten geschützt zu wissen und aufzupassen, welche Informationen dem Internet überlassen werden.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Chancen digitale Medien mit Bildungsthemen zu verknüpfen, um die Lernerfahrung der Kinder mittels E-Learning und Kinder Apps zu erweitern. Unterricht, Gruppenarbeiten und Vorträge in der Schule oder Bastelstunden, Bewegungsspiele und Vorlesetage im Kindergarten - all das, was üblicherweise vor Ort stattfindet, kann heutzutage sowie in Pandemie-Zeiten auch digital stattfinden. Dank eines großen Angebotes an E-Learning und Videokonferenz-Tools können sich Schüler*innen mit ihrer Klasse verbinden oder Kindergartenkinder, die nicht in der Notbetreuung sind, am Kindergartenalltag teilhaben.

Aber auch im privaten Umfeld erhalten digitale Medien zur Unterhaltung und zum Austausch besonders in Zeiten von Social Distancing einen höheren Stellenwert. Kinder können mit Hilfe des weiten Angebotes an Lernapps, Kindersuchmaschinen oder altersgerechter Software, ihre Interessen stärken, Sprachen lernen, nach Inspirationen und Antworten suchen, kreativ werden, oder mit Freunden und Familie in Kontakt treten. Die Möglichkeiten sind unendlich, doch genau deshalb ist Vorsicht geboten.

Chancen und Risiken sind untrennbar miteinander verbunden: Wenn Kinder die digitalen Chancen nutzen, gehen sie gleichzeitig auch Risiken ein. Wenn Eltern oder Lehrer*innen Risiken vermeiden möchten, schränken sie die vielen Möglichkeiten, welche man mit digitalen Medien hat, ein. Die richtige Balance ist die Lösung! Denn: Risiken können durch ein hohes Maß an Datenschutz und Medienkompetenz deutlich eingedämmt werden.

Risiken eindämmen durch Datenschutz und Medienkompetenz bei Kindern

Wenn sich Kinder - ab einem bestimmten Alter - bei der Nutzung digitaler Medien der Risiken bewusst sind, sind sie meist im Umgang mit ihren persönlichen Informationen sensibilisiert. Doch das allein reicht nicht aus, um die potentiellen Risiken einzudämmen. Weitere Maßnahmen zur Medienkompetenz und zum Datenschutz sind hierfür entscheidend. Welche Risiken es gibt und wie es Eltern oder Lehrer*innen gelingen kann, diese Risiken durch Medienkompetenz und Datenschutz bei den Kindern einzudämmen, soll anhand folgender Punkte erläutert werden:

Risiko 1: Entwicklungsstörung durch intensive mediale Nutzung im frühkindlichen Alter

Ein 2 – 3 jähriges Kind versteht noch nicht, was es mit einem Smartphone machen soll und könnte sich vielmehr überfordert fühlen oder mit Reizen überflutet werden. In diesem Alter ist es viel wichtiger die Kreativität und Fantasie des Kindes zu fördern und Beschäftigungsmöglichkeiten daran anzupassen z.B. malen, ausmalen oder kneten.

Die Lösung: Mediale Nutzung an Alter, Interesse und Entwicklungsstand anpassen

Benutzung digitaler Medien sollte erst stattfinden, wenn Kinder in der Lage sind das entsprechende Medium zu verstehen. Das ist meist abhängig vom Kind selbst, seinem Interesse und dem individuellen Entwicklungsstand. Im Kindergarten- und Grundschulalter verstehen Kinder die unterschiedlichen Arten von Medien und interessieren sich vermehrt für Dinge, die digital geschehen: Online Spiele, Fotografieren, Zeichnen etc. Ab hier können Eltern einen großen Beitrag zur Medienkompetenz leisten. Zum Beispiel den Kindern Chancen digitaler Medien zeigen und wie sie diese Zweck gerichtet einsetzen können sowie eine sichere Basis für den Umgang mit digitalen Medien schaffen, z. B. durch eine Kombination aus reguliertem Medienkonsum und Gerätesicherheit.

Risiko 2: Suchtverhalten durch übermäßige Nutzung digitaler Medien

Gibt es keine zeitliche Regelung für die Nutzung digitaler Medien oder keine gefestigte Medienkompetenz, kann sich ein Suchtverhalten entwickeln. Kinder nutzen digitale Medien dann hauptsächlich zur Langweile-Bekämpfung oder um der Realität zu entfliehen.

Die Lösung: Klare Regeln für die Nutzung vereinbaren

Das Kind sollte die Fähigkeit aufbauen, Medien den eigenen Zwecken entsprechend einzusetzen und mit ihnen verantwortungsbewusst umzugehen. Zum Beispiel sollte das Kind selbst verstehen, warum es digitale Medien nutzen möchte. Um die Mediennutzung zu regulieren, hilft es meist von Anfang an klare altersgerechte Regeln für die Nutzung zu vereinbaren, d. h.: Medienzeiten festlegen und erst ab einem bestimmten Alter digitale Medien zur freien Verfügung stellen. Wenn sich Eltern dafür interessieren, was Kinder mit digitalen Medien machen, wird es leichter das richtige Maß der Mediennutzung zu bestimmen. Damit kann das Risiko von Suchtverhalten erheblich eingedämmt werden.

Risiko 3: Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten durch digitale Medien

Sobald Kinder im Internet unterwegs oder auf Social Media präsent sind, steigt die Gefahr von Datenmissbrauch, Cybermobbing oder das Risiko auf ungeeignete Inhalte (Gewalt, Pornografie, Extremismus, etc.) zu treffen.

Die Lösung: Internet-Zugang altersgerecht beschränken

In den Dimensionen der digitalen Welt lauert es überall an entwicklungsgefährdenten Webseiten. Kinder sollen vor problematischen Inhalten geschützt werden. Bevor Kinder im Internet unterwegs sind, gilt es auch hier entsprechend des Alters Schutzmaßnahmen zu treffen. Für das Smartphone gibt es spezielle Kinder Apps und für den Browser können sich verschiedene Jugendschutzfilter (Schutzsoftware) oder Berechtigungen einrichten lassen. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass Kinder nur getestete E-Learning Software oder Kindersuchmaschinen nutzen. Was die sozialen Medien angeht – diese sind meist erst ab einem Alter von 16 Jahren geeignet, da für jüngere Nutzer in diesen Diensten keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen vorhanden sind.

Risiko 4: Cyberangriffe durch Öffnen gefährlicher Webseiten oder Links

Mittels verschiedener Phishing-Methoden verbreiten Cyberkriminelle ihre Schadsoftware auf privaten Geräten. Nur ein Klick auf einen verseuchten Link oder eine präparierte Webseite genügt, um einen Trojanern auf ein digitales Medium zu laden.

Die Lösung: Internet-Zugang altersrecht beschränken

Für Kinder ist es sehr schwer zu erkennen, ob es sich um eine sichere Webseite oder einen vertraulichen Link handelt. Daher sollte auch in dem Fall der Internet-Zugang altersgerecht beschränkt werden. Zum Beispiel in dem eine entsprechende Kindersicherung (Browserberechtigung, Kindermodus, etc.) am jeweiligen Gerät eingestellt wurde, die vor derartigen Webseiten, Links oder verlockender Werbung schützt. Als weitere Schutzmaßnahme sollte darauf geachtet werden, dass das jeweilige Gerät auf dem aktuellsten Stand ist. Damit ist die regelmäßige Aktualisierung und Sicherheitsupdates von E-Learning Software, Betriebssystemen oder Anti-Viren-Produkten gemeint. Angreifer bekommen hierdurch keine Chance, über mögliche Sicherheitslücken durch veraltete Systeme, unbefugten Zugriff zu erhalten.

Bevor ein Kind eigene digitale Medien wie Smartphone, Tablet oder Laptop besitzt, sollte es die Gefahr von Phishing kennen und wissen, dass man unbekannte Links oder Webseiten nur mit großer Vorsicht öffnen sollte.

Wie Sie sich mit den kleinsten Maßnahmen vor Phishing Attacken schützen, können Sie hier nachlesen: https://www.keyweb.de/de/keyweb/blog/phishing-mails-erkennen

Risiko 5: Datenmissbrauch durch schwache Passwörter und unsichere Webseiten

Ein Passwort, das aus Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen besteht und 6 Stellen hat, kann mit einem Botnetz aus normalen PCs in 3,25 Minuten geknackt werden, während Supercomputer dafür nur 19 Sekunden brauchen.

Die Lösung: Sichere Passwörter festlegen und die Sicherheit der Webseite berücksichtigen

Wenn es soweit ist, sollten Eltern gemeinsam mit Ihrem Kind ein sicheres Passwort festlegen, das 12 Stellen hat und aus einer Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, und Sonderzeichen besteht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Login-Seite durch SSL verschlüsselt ist. Jede Webseite, die persönliche Daten abfragt, muss mittels SSL verschlüsselt sein. Erkennen lassen sich sichere Webseiten durch ein Schlosssymbol links in der Browser-Adresszeile. Ist dieses Symbol nicht gegeben, sollten keine persönlichen Daten auf dieser Webseite eingegeben werden.

Wenn ein Kind bereits eigene Accounts hat, sollte es darauf achten, dass es für jeden Account ein anderes Passwort benutzt. Wichtig ist auch, dass das Passwort regelmäßig (alle 3 Monate) gewechselt wird. Mehr zum Thema Passwortsicherheit erfahren Sie hier: https://www.keyweb.de/de/keyweb/blog/warum-passwortwechsel-notwendig-sind

Risiko 6: Datenschutzlücken in E-Learning Software oder Apps

Einige E-Learning Software Anbieter verarbeiten persönliche Daten über einen Server, der sich außerhalb der EU befindet. Das wirft datenschutzrechtliche Fragen auf, denn es ist dann nicht immer sicher, ob die Daten der Kinder DSGVO konform behandelt werden. Dritte könnten dadurch Zugriff auf persönliche Daten bekommen und diese verbreiten. Außerdem könnten unsichere Server eine Angriffsfläche für Cyberkriminelle darstellen.

Die Lösung: Den Serverstandort und die Sicherheit des Rechenzentrums bei der Auswahl von E-Learning Software oder Apps berücksichtigen

Eine DSGVO konforme Verarbeitung von Daten kann nur gewährleistet werden, wenn Daten über einen Server in einem Rechenzentrum in Deutschland oder der EU verarbeitet werden. Für einen hohen Datenschutzstandard ist also von Vorteil, dass sich der Server der verwendeten E-Learning Software oder App immer innerhalb der EU befindet. Lehrer*innen oder Eltern sollten sich vor der Nutzung informieren, welche Daten der Kinder gespeichert werden und der App oder E-Learning Software entsprechende Zugriffsrechte erteilen. Für Kinder, die freien Zugang zu digitalen Medien haben und bereits Informationen in das Internet eingeben, sollte ein achtsamer Umgang mit persönlichen Informationen Voraussetzung für die Internetnutzung sein. Zudem ist es wichtig, dass ein hoher Sicherheitsstandard im Rechenzentrum gegeben ist, damit Cyberkriminellen keine Angriffsfläche gegeben wird. Einen Hinweis auf Sicherheits- und Qualitätskriterien kann beispielsweise eine aktuelle TÜV-Zertifizierung geben.

Es ist in jeden Fall zu empfehlen, dass Schulen darauf achten, was sie an E-Learning Software verwenden – aber auch dass Eltern kritisch nachfragen, wenn von der Schule Anwendungen verwendet werden, die keine hohen Sicherheitskriterien erfüllen. Zum Beispiel könnten sich Lehrer*innen oder Eltern fragen: Auf welchem Server liegen die Daten der Kinder? Wo steht dieser Server, in welchem Land etc. ? Welche Daten werden gespeichert? Das ist besonders wichtig, da sich die Schüler selbst solcher Themen noch nicht bewusst sind.

Sichere und DSGVO konforme Beispiele für E-Learning Software und Videokonferenz-Tools finden Sie unter anderem hier:

https://www.keyweb.de/de/cloud-computing/online-seminar-hosting

https://www.keyweb.de/de/cloud-computing/home-office-software

Jeden von uns ist bewusst, wie schnell man sich in den Weiten des Medienkosmos verlieren kann. Ohne bewusst davon zu wissen, geraten vertrauliche Daten dorthin, wo wir keine Kontrolle über sie haben. Niemand würde seine Kinder alleine zur Schule gehen lassen, wenn man nicht einmal gemeinsam mit dem Kind den Schulweg abgelaufen ist. So sollte es auch im Umgang mit digitalen Medien sein. Kinder sollten den bewussten Umgang mit digitalen Medien lernen, bevor sie sich im Medienkosmos verlieren.


Zusammenfassung - So gelingt ein verantwortungsvoller Umgang mit den digitalen Medien im Einklang mit Datenschutz:

  • Nutzung digitaler Medien dem Alter und Entwicklungsstand entsprechend ausrichten
  • Kind aufklären über Chancen und Risiken
  • Klare Regeln für die Nutzung altersentsprechend vereinbaren (Medien freie Zeiten, etc.)
  • Im Gespräch bleiben und Ansprechpartner für digitale Medien sein
  • Gerätesicherheit altersgerecht anpassen (Browser-Berechtigungen, Passwortschutz, Kindersicherung)
  • Sichere Datenschutz Basis für die Nutzung schaffen (DSGVO konforme Software, Kinder-Apps, SSL-verschlüsselte Webseiten)


Wir hoffen der Blogbeitrag konnte für Sie als Inspiration für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien und mehr Datenschutz Ihrer Kinder dienen.

Haben Sie noch weitere Tipps für einen sicheren Umgang mit digitalen Medien bei Kindern? Dann freuen wir uns wenn Sie uns diese per E-Mail an kommunikation@keyweb.de schreiben.

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Quellen

https://www.jugendschutzprogramm.de/schulen/sicheres-homeschooling/

https://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/wie-sicher-ist-online-unterricht-mit-bigbluebutton/

https://www.froebel-gruppe.de/fileadmin/user/Dokumente/Broschueren_Themenhefte/20200929-P%C3%A4d-Them-Themenheft_Digitale_Medien_und_Kinder.pdf

https://www.herder.de/unternehmen/kitalino/?gclid=CjwKCAiAl4WABhAJEiwATUnEFz7Cir3jguDuep_uszk1hsBeCFi4I22owqjM-59y1OSrc38UCA3FsRoCCEkQAvD_BwE