von Philine Heß
Veröffentlicht in: Hintergrund

Ein Ausblick auf den Beruf der Programmierer

Von Antikythera bis Artifical Intelligence – ist das das Ende oder erst der Anfang der IT Berufe in Zukunft? Wir sind mitten drin. Im rasanten digitalen Zeitalter. Der Beginn der Programmierung reicht weit zurück und noch immer sind Programmierer so gefragt wie nie. Doch wird sich das in Zeiten von künstlicher Intelligenz und Automatisierung noch ändern? Dies ist gar nicht mal so abwegig, denn wie das Berufsbild von Bandarbeitern im Industriezeitalter durch Innovation, könnte auch die Bedeutung des Programmierer-Jobs in Zukunft eine andere sein. Werden bald intelligente Systeme die Arbeit von Programmierern erledigen? Und ergibt es dann überhaupt noch Sinn Programmierer zu werden? Wir stellen uns diesen Fragen, reisen zum Ursprung der IT Berufe und Programmierung und wagen den Blick in die Zukunft.

IT-Berufe in der Zukunft - Perspektiven des Programmierers
Bild von Pixabay

Ursprung der IT Berufe

Das überrascht Sie vielleicht, aber man sagt dem altgriechischen Antikythera Mechanismus (60 v. Chr. ) nach, er sei als analoger Computer das erste programmierte Erzeugnis. Anhand dessen astronomische Positionen auf die Stunde genau berechnet werden konnten. Erst einige Zeit später ging die Entwicklung weiter: Der per Lochkarten programmierte Webstuhl von Jacquard war Vorbild für die erste lochkartengesteuerte Rechenmaschine „Analytical Engine“. Mithilfe dessen ließ sich Mitte des 19. Jahrhunderts sogar ein Algorithmus entwickeln, der als erstes Computerprogramm der Welt galt. Wow, kaum zu glauben, dass ein antikes Gerät und ein Webstuhl tatsächlich den Grundstein für den IT Beruf des Programmierers gelegt haben sollen. Und das noch weit vor den ersten rein elektronischen Rechnern.

Durch die Entwicklung des ersten programmgesteuerten Computers könnte man die 1940er Jahre mit dem Start der Digitalisierung und IT Berufe verbinden, wobei davon nicht wirklich etwas zu sehen war. Denn was konnte man schon groß mit einem Computer anfangen, der einem überdimensionalen Kühlschrank ähnelt? Mit Home Office wäre das auf jeden Fall schon mal nichts geworden. ;) Als es in den 1980er Jahren, mit den Heimcomputern zum ersten Mal möglich wurde, von Zuhause aus in die digitale Welt einzutauchen, bekam die Digitalisierung den ersten großen Anstoß.

Und nun? Blicken wir aus heutiger Sicht 10 Jahre zurück, ist es erstaunlich welch enorme Sprünge die Digitalisierung seither gemacht hat und welche Anzahl an neuen IT Berufen sich daraus entwickelten. Hätte man jemanden zu Beginn der Computer-Ära in den 1980ern erzählt, dass es in Zukunft möglich sei, persönliche Sprachassistenten zu verwenden, die den eigenen Wünschen nachgehen und man dank Vernetzung und zukünftiger Software problemlos von überall aus arbeiten kann, wäre man wohl als verrückt erklärt worden. Ja, und nun ist die Digitalisierung nahezu am Explodieren.

Ein Berg voll Arbeit – nur wo sind die Programmierer?

All das, was damals Jahrzehnte dauerte, ist heute schon längst kein Thema mehr und feste Grundlage für das Vorantreiben der Digitalisierung geworden. Die einzige technische Herausforderung heute ist die rasche Weiterentwicklung in der IT, die sich nahezu lawinenartig fortbewegt und vermutlich in Artifical Intelligence (Künstliche Intelligenz) resultieren wird. Für den Programmierer Beruf bedeutet das in Zukunft: sich von der Lawine nicht überrollen zu lassen, um bei der digitalen Automatisierung mitziehen zu können. Leichter gesagt als getan:

Die technische Entwicklung ging in den letzten Jahren so rasant voran, dass die Programmierer und Entwickler in Ihrem Beruf mit immer mehr Arbeit konfrontiert worden sind aber Ausbildungsstätten den Bedarf nicht ausreichend decken können. So führen wenig Studienplätze mit langer Studiendauer zu vielen offenen IT Jobs. Programmierer sind gefragt wie nie – doch wenn die Möglichkeiten so gering sind, sich als Programmierer entsprechend dem aktuellen Bedarf zu qualifizieren, muss der aktuelle Mangel anders abgedeckt werden. Hierfür werden die Potenziale der Digitalisierung und des technischen Fortschrittes genutzt.

Werden uns intelligente Systeme bald IT Berufe wegnehmen?

Programmcodes wurden vor einiger Zeit noch sehr viel selbst geschrieben, denn vor 20 bis 30 Jahren waren Code-Bibliotheken und Frameworks recht überschaubar. Zwar war geschriebene Software in Bezug auf Funktionalität, Leistung und Skalierbarkeit noch einfacher, aber durch den damaligen Wissensstand und Hilfsmitteln mit höherem Programmieraufwand verbunden. Auf Basis steigender Nutzung von Software und des Internets wurde das Niveau des Programmierens immer anspruchsvoller. Besonders um heutzutage mit der zunehmenden Komplexität klar zu kommen und die Arbeit der Software- oder Webentwicklung zu erleichtern, können viel mehr fertige Bibliotheken, Tools, Compiler und Entwicklungsumgebungen eingesetzt werden. Intelligente Systeme werden sich mittels Machine Learning stetig verbessern, weiterentwickeln und den Programmierern und anderen IT Berufen in Zukunft mehr und mehr Aufgaben abnehmen können. Das ist auch notwendig, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. So wird die für die Softwareentwicklung erforderliche Programmierung im Vergleich zu älteren Bemühungen immer weniger gravierend sein.

Wenn die Softwareentwicklung für Webanwendungen beispielsweise schon längst so weit ist, Nutzern eine Fülle an Möglichkeiten zu bieten ohne Programmierkenntnisse Webseiten zu bauen, braucht man dann hierfür noch einen Webentwickler? Immer mehr Aufgaben unterschiedlicher IT Berufe können in Zukunft von Maschinen übernommen werden. Wenn die technische Weiterentwicklung irgendwann in künstlicher Intelligenz resultiert, das Niveau von Programmierer Bots weiter steigt und uns die technologische Singularität* erreicht, ist ein Programmierer oder Softwareentwickler dann zukünftig überflüssig?

Nein, wir können Sie beruhigen. Programmierer und Softwareentwickler gehören zu den Zukunftsjobs. Sie werden für die IT noch lange relevant sein, um die entscheidenden Grundsteine zu legen. Von der Lösung eigentlicher Kernprobleme über die Auseinandersetzung mit neuen individuellen Anforderungen und Wünschen bis hin zur Entwicklung, Überprüfung und Anpassung von Software wird man Programmierer noch eine ganze Weile brauchen. Die Softwareentwicklung ist und bleibt ein komplexer Prozess, und die Programmierung nur ein Teil der Bereiche, die zu moderner Software beitragen. Um überhaupt Software entwickeln zu können braucht es für den Anfang kreative Prozesse, die durch agile Methoden wie Scrum, Design Thinking oder Kanban entstehen. Und menschliche kreative Prozesse werden so einfach und vor allem so schnell nicht durch die logischen Prozesse der Automatisierung ersetzt.

Zukunftsjob! - Warum man genau jetzt Programmierer werden sollte

So wie sich andere Berufsbilder mit der Zeit entwickelten, wird der IT Beruf des Programmierers in Zukunft eine neue, aber auch weiterhin bedeutende Rolle einnehmen. Eine Rolle, die inmitten der rasanten digitalen Entwicklung spannender nicht sein könnte und aus der neue Berufschancen entstehen werden. Die digitale und technologische Zukunft lässt sich nicht aufhalten, deshalb ist es umso wichtiger, sich dieser anzuschließen und sie aktiv mitzugestalten. Um hierfür gerüstet zu sein, braucht es spezifische und hohe Qualifikationen. Denn: die ständige Weiterbildung der Programmierer und Softwareentwickler ist der Schlüssel, um nicht von der Digitalisierung eingeholt zu werden. Aber wer will in seiner beruflichen Laufbahn schon auf der Stelle stehen bleiben?

Und wenn Sie erst am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn stehen: Jede Karriere ist individuell und kann mit einer Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, mit einem Informatikstudium oder einer Kombination aus beiden, in Form eines dualen Studiums, beginnen. Mit einer ambitionierten Vision und viel Motivation kann man sich das Programmieren zu Hause mittels Online-Kursen oder Tutorials auch selbst beibringen. Viele Unternehmen bevorzugen aber eine entsprechende Qualifikation mit Praxiserfahrungen. Trotzdem ist es immer gut nachzuweisen, dass man sich auch aus Eigeninitiative für das Programmieren interessiert und auch schon in der Freizeit kleinere Projekte umgesetzt hat. Ganz egal ob Web-, Game- oder App-Entwicklung - am Ende ist es wichtig, dem Unternehmen zu zeigen, dass man das Programmieren tatsächlich gut beherrscht. Wer Spaß am Finden von zukunftsfähigen Lösungen hat, analytisch denken, aber auch kreativ und pragmatisch arbeiten kann, wird als Programmierer auch in Zukunft seinen Traumjob finden.

Sie möchten die digitale Zukunft gemeinsam mit uns aktiv mit bestimmen? Dann schauen Sie sich gern einmal auf unserer Karriere Seite um: keyweb.de/karriere


* Zukunftsforscher und Erfinder Ray Kurzweil sagt dem Jahr 2045 voraus, dass in diesem Jahr die technische Singularität erreicht wird. Ab diesem Zeitpunkt könnte es soweit sein, dass Maschinen erstmalig intelligenter als der Mensch sein werden. (www.absatzwirtschaft.de)


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Quelle:

https://www.karriere.at/blog/developer-zukunft.html

https://www.focus.de/finanzen/experten/arbeit-im-wandel-programmierer-und-acht-weitere-berufe-die-kaum-zukunft-haben_id_9941408.html

https://www.absatzwirtschaft.de/singularitaet-maschinen-werden-intelligenter-sein-als-menschen-76541/

https://www.dpma.de/dpma/veroeffentlichungen/meilensteine/antikytera-mechanismus/index.html

https://www.deutschlandfunk.de/vom-webstuhl-zum-computer.871.de.html?dram:article_id=126687