von Sabrina Stein
Veröffentlicht in: Hintergrund

Ein Beitrag für alle, die denken, Linux sei nur etwas für „Nerds“ ;)

„Linux ist kompliziert und nur etwas für Programmierer“; „die Installation ist viel zu komplex“ - diese und ähnliche Sätze hört man sehr oft als Begründung dafür, dass das allseits bekannte Windows dem Open Source Betriebssystem Linux vorgezogen wird. Doch inwieweit stimmen diese Argumente – und überwiegen die zumindest im ersten Moment wahrgenommenen „Nachteile“ wirklich den Vorteilen, welche die Nutzung mit sich bringt? Diesem Thema soll sich unser aktueller Blogartikel widmen. Für alle, die sich mit dem Thema noch nie auseinandergesetzt haben, gibt es sicher einige überraschende Fakten!

Bild mit zwei Wegweisern, welche in verschiedene Richtungen zeigen

Noch vor 20 Jahren fand man das Betriebssystem überwiegend nur in den dunklen Büros ;) von Programmierern – einfach weil die Nutzerfreundlichkeit für den damaligen PC-Nutzer viel zu gering war. Insbesondere in den 1990er Jahren war Windows dem Open Source Betriebssystem diesbezüglich weit überlegen. Durch die grafische Nutzeroberfläche, welche Microsoft zur Verfügung stellte, konnte das Betriebssystem auch vom Privatnutzer relativ einfach bedient werden. Windows verbreitete sich somit schnell und gerade weil das Produkt von Microsoft auf vielen Rechnern bereits vorinstalliert war und immer noch ist, kam auch kaum jemand auf die Idee, sich einmal genau mit der Alternative Linux und den zahlreichen Vorteilen, welche diese mit sich bringt, auseinanderzusetzen – der Mensch ist schließlich ein „Gewohnheitstier“.

Im Laufe der Jahre hat sich die Situation jedoch etwas geändert – Linux verfügt mittlerweile über eine Nutzeroberfläche, welche sich durchaus sehen lassen kann und auch vom durchschnittlichen Privatanwender oder Linux-Neulingen einfach zu bedienen ist.

Besonders im geschäftlichen Umfeld sind bereits viele Firmen auf die Vorteile von Linux aufmerksam geworden und setzen das Betriebssystem seit mehreren Jahren erfolgreich ein. Aus Gründen der Datensicherheit findet es beispielsweise auch auf Servern und Geräten im Online-Handel oder im Bankenwesen Anwendung.

Doch bevor wir Sie davon überzeugen möchten, doch auch einmal Linux zu testen, müssen wir Ihnen etwas gestehen: Sie nutzen es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon! - ja, richtig gelesen! Eigentlich nutzt heutzutage FAST JEDER Linux, - und das tagtäglich – oft ohne es zu wissen. Um dies zu verstehen, ist zunächst noch etwas Grundwissen notwendig. „Linux“ ist die Bezeichnung für den Betriebssystem-Kernel, welcher 1991 von Linus Torvalds entwickelt wurde. Ein „Kernel“ ist der Betriebssystem-Kern. Da es sich bei Linux um freie Software (Open Source - dazu später mehr) handelt, können verschiedenste Entwickler diesen Kernel als Grundlage für die Entwicklung oder die Zusammenstellung einer „Distribution“ verwenden. Eine solche Distribution, wie es beispielsweise Ubuntu oder openSuse sind, stellt eine Kombination verschiedenster Programme – also ein „Software-Paket“ dar. Linux ist dann sozusagen das Fundament, auf dem verschiedenste Arten von Häusern erbaut werden können.

Nun zurück zur Aussage, dass eigentlich fast jeder Linux nutzt: Die Grundlage für das System, welches sich auf unseren Smartphones befindet, ist ebenfalls Linux. Android und Apple iOS basieren auf der Open Source Software.

Wie viel Zeit haben Sie benötigt, um Ihr Smartphone bedienen zu können? Sicherlich nicht sehr lange - Nach einer kurzen „Eingewöhnungsphase“ fuchst man sich in jedes System relativ schnell hinein und es dauert nicht lange, bis man den Aufwand wieder vergessen hat – ganz im Gegenteil zu den möglichen Vorteilen, von denen man langfristig profitieren kann. Auf diese möchten wir nun eingehen.

Warum Linux die wichtigsten Kriterien für eine langfristige Nutzerzufriedenheit erfüllt

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, welche Merkmale es sind, die ein Produkt, einen Dienstleister oder Anbieter langfristig interessant machen – welche den Kunden binden? - also welche Sie als Nutzer oder Konsumenten langfristig zufriedenstellen? Diese Eigenschaften sind in den meisten Fällen: eine gute Leistung, also Zuverlässigkeit, Transparenz, Vertrauenswürdigkeit, Flexibilität, ein guter Preis, je nach Zweck: Sicherheit – und wenn es einmal zu Fragen und Problemen kommen sollte: gute Unterstützung. Zusätzlich bevorzugen wir Menschen es, wenn wir uns in unseren Entscheidungen nicht eingeengt fühlen – also frei entscheiden dürfen. Außerdem wird auch die Nachhaltigkeit von Produkten und Handlungen immer mehr zum relevanten Entscheidungs- und Zufriedenheitskriterium.

Natürlich möchten wir an dieser Stelle genauer darauf eingehen, warum Linux-Anwender dem Betriebssystem vertrauen!

Linux ist eine Open Source Software. Open Source steht nicht wie häufig angenommen für die kostenfreie Nutzung bzw. Nutzbarkeit einer Software – auch wenn dies häufig tatsächlich der Fall ist. Der Begriff soll in erster Linie darauf hindeuten, dass der Quellcode, auf dem die Software basiert, frei zugänglich und somit auch für jeden einsehbar ist. Also auch Sie, oder beispielsweise jeder erfahrene Programmierer – haben Zugriff auf diesen Quellcode. Kommerzielle Betriebssysteme wie Windows oder Mac OS wurden durch den jeweiligen Anbieter – wie beispielsweise Windows oder Apple entwickelt. Hier hat nur dieser Zugriff auf den Quellcode. Dieser kann durch die Nutzer nicht eingesehen werden. Dies bedeutet natürlich auch, dass nicht alle „im Hintergrund“ ablaufenden Prozesse nachvollziehbar sind. Dieser Aspekt führte in der letzten Zeit häufig zu kritischen Medienberichten in Bezug auf die Datensicherheit bekannter Softwareanbieter. Wer die entsprechenden Kritikpunkte nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch aus dem Weg gehen möchte, könnte den Einsatz von Open Source Software in Betracht ziehen. Denn hier achtet – aufgrund der Offenheit – eine ganze Community auf die (Daten-)Sicherheit der Software.

Da hier nicht nur ein Entwicklerteam, sondern Tausende von Programmierern und Entwicklern – Zugriff auf den Quellcode haben, können Sicherheitslücken sehr schnell erkannt und dementsprechend auch behoben werden - vielleicht ein Grund dafür, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, welches mit der Schwachstellenampel vorhandene Sicherheitslücken in häufig genutzten Programmen aufzeigt, Linux hier besonders gut bewertet.

Doch nicht nur das! – auch die Bearbeitung und Weiterentwicklung des Codes durch die Community ist möglich und sogar erwünscht. Finden Weiterentwicklungen an der Software statt, so müssen auch diese wieder öffentlich verfügbar gemacht werden.

Beispielsweise bei individuellen Projekten haben Entwickler die Möglichkeit, durch die interne IT-Abteilung oder aber durch entsprechende Dienstleister den Open Source Code ihren Wünschen entsprechend anzupassen. Bei einer kommerziellen Software wäre dies nicht möglich. Zusätzliche Features, Updates, und in diesem Zusammenhang auch die Behebung von Fehlern oder Sicherheitslücken ist für den Hersteller kommerzieller Software mit einem erheblichen Aufwand verbunden und kann daher auch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Bei Open Source Software gestaltet sich dies komplett anders.

Es herrscht absolute Transparenz und viel Potential für Entwicklungen. Weiterhin kann auch die entsprechende Unterstützung untereinander, also innerhalb der Community erfolgen. All diese Aspekte können unabhängig von der wirtschaftlichen Lage eines kommerziell interessierten Anbieters gewährleistet werden.

Somit zeichnet sich Linux durch Qualitäten wie Offenheit/ Transparenz, Flexibilität, Unabhängigkeit und Sicherheit aus, was zu einem hohen Vertrauen in die Anwendung – und innerhalb der Community - führen kann.

Zusätzlich ist Linux langfristig leistungsfähig, schnell, nachhaltig und ressourcenschonend. Man kennt es von anderen Betriebssystemen: Mit der Zeit dauert das Hochfahren des Computers immer länger und spätestens nach dem Update – welches natürlich genau startet, wenn es schnell gehen muss - betet man, dass man überhaupt noch einmal Zugriff auf seine Daten bekommt. Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt, wurde aber alles schon erlebt ;) Linux behält seine Geschwindigkeit beim Hochfahren auch nach Jahren bei. Dies liegt unter anderem auch daran, dass nicht so viele Programme geladen werden. Auch eine Defragmentierung des Dateisystems ist nicht notwendig, da es zu keiner Fragmentierung kommt. Zusätzlich kann man es sowohl auf neuesten Geräten als auch auf veralteter Technik ohne Probleme nutzen.

Da Linux auch kaum Virenangriffe zu befürchten hat, kann auch der Einsatz entsprechender Security-Software auf ein Minimum beschränkt werden.

Ein weiterer und nicht zu unterschätzender Vorteil der Software ist die Tatsache, dass für Linux keine Lizenzgebühren anfallen – im Gegensatz zu den Softwareprodukten anderer Anbieter.

Wenn die Entscheidung nun über das passende Betriebssystem nicht nur eine Person oder einen Arbeitsplatz betrifft, so sind die möglichen positiven oder negativen Konsequenzen selbstverständlich auch größer. Dies wird besonders bei den Lizenzkosten deutlich. Für Windows beispielsweise können diese bei vielen Arbeitsplätzen auch sehr hohe Beträge ausmachen.

Bei wichtigen Entscheidungen...

Gerade wenn Sie ein geschäftliches oder langfristiges Projekt anstreben – oder einfach eines, welches Ihnen besonders am Herzen liegt - , sollten Sie sich fragen, welchem Anbieter Sie Ihr Vertrauen schenken möchten und dementsprechend entscheiden, welches System beispielsweise auf dem gewählten Server laufen soll – denn letztendlich handelt es sich hierbei um das Fundament auf Software-Seite und in dieser „digitalen Zeit“ um einen wichtigen Erfolgsfaktor.

Als Anbieter von Hosting-Leistungen trägt man mit der Bereitstellung von Servern eine noch größere Verantwortung und sollte die Entscheidung über die Betriebssysteme aufgrund der oben genannten Punkte sehr bewusst treffen. Denn nicht nur der eigene Erfolg kann beim Auftreten von Sicherheitslücken leiden – auch der der geschätzten Kunden hängt mit entsprechenden Entscheidungen zusammen. Da der Hosting-Kunde in einem Großteil der Fälle selbst beschließt, welches System auf seinem Server laufen soll, ist zumindest eine gute Beratung durch das Hosting-Unternehmen im Vorfeld sinnvoll und notwendig.

Probieren Sie es doch mal aus!

Wir Menschen tun Dinge gern in einer Art und Weise, wie wir oder unsere Freunde, Bekannten und Kollegen sie schon immer gemacht haben - oder weil viele sie so tun. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass dies automatisch immer die besten Wege sind. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu prüfen, inwieweit beispielsweise die oben genannten Eigenschaften und Werte für eine langfristige Zufriedenheit gegeben sind – egal ob es sich um Produkte, Kontakte, Anbieter – oder eben um so scheinbar „nebensächliche“ Dinge wie eine Software oder ein Betriebssystem handelt.

Von daher: Probieren Sie Linux doch einfach einmal aus! – vieles glaubt man ja doch erst, wenn man es sieht und selbst feststellt.

„Wie ausprobieren? Ich kann doch nicht einfach mein Betriebssystem wechseln – was ist denn, wenn es mir nicht gefällt? Dann habe ich die ganze Arbeit“ - diese Bedenken sind natürlich absolut verständlich – sind aber beim Thema Linux gar nicht nötig. Denn man kann beispielsweise die Distribution Ubuntu ganz einfach – von einem USB-Stick aus – testen, ohne das aktuell verwendete System zu löschen. Also – worauf noch warten!?

Wir sind gespannt auf Ihren Erfahrungsbericht aus der Linux-Welt! :)